Kaderstellen-Report 2020

07.01.2021

Starke Zunahme offener Kaderstellen im Sozial- und Gesundheitswesen. Einfluss der Pandemie? 

MSc War früher die Stabilität des Arbeitsmarktes die Norm und die Instabilität die vorübergehende Erscheinung, so ist es heute umgekehrt. Obwohl die Gesamtheit aller offenen Stellen gemäss der Datenfirma X28 um 13 Prozent zurückgegangen ist, werden immer noch deutlich mehr Stellen ausgeschrieben als in den Boomjahren 2012 bis 2017.

Anzahl offener Stellen auf höchster Führungsstufe

Einem steigenden Trend folgt auch das Sozial- und Gesundheitswesen. Nach wie vor sind Pflegefachkräfte und Gesundheitspersonal überdurchschnittlich gesucht. Vor allem auf der höchsten Führungsstufe verzeichnet die Berufsgruppe für die Pflege und Betreuung von älteren Menschen mit 109 Kaderstellen die höchste Anzahl im Jahr 2020, gefolgt von den sozialen (meist nationalen) Verbänden und Organisationen mit 81 ausgeschriebenen Kaderstellen. Die wenigsten Kaderstellen-Ausschreibungen verzeichnen die Bildungsinstitute mit sozialen Angeboten.

Kaderstellen im Vergleich zum Vorjahr

Wurden in der Deutschschweiz im Jahr 2019 rund 325 Kaderstellen im Sozial- und Gesundheitswesen ausgeschrieben, waren es im Jahr 2020 bereits 435 Stellen. Dies entspricht einer Zunahme von 31 Prozent. Während des Lockdowns haben sich die Kaderstellen im Vergleich zum Vorjahr sogar verdoppelt. Die ausschreibungsstärksten Monate waren sowohl im Jahr 2019 als auch im Jahr 2020 der Januar und der September und die ausschreibungsstärksten Kantone der Kanton Zürich gefolgt vom Kanton Bern.

Eine deutliche Zunahme der Kaderstellen von 165 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen die Organisationen zur Begleitung und Betreuung von Kindern, Jugendlichen und Familien, gefolgt von den Spitälern und Kliniken mit einer Zunahme von 67 Prozent sowie den sozialen (meist nationalen) Verbänden und Organisationen mit 56 Prozent. Stabil geblieben sind die Sozialressorts der öffentlichen Verwaltungen mit einer geringen Zunahme von 5 Prozent der ausgeschriebenen Kaderstellen. Dagegen publizierten die Bildungsinstitute mit sozialen Angeboten im Jahr 2020 mit 28 Kaderstellen 15 Prozent weniger als im Vorjahr.

Einige Detaillierungen

Im Direktvergleich zwischen den Jahren 2019 bis 2020 verzeichnet der Bereich zur Begleitung und Betreuung von Kindern, Jugendlichen und Familien einen Anstieg von17 auf 45 Kaderstellen, also eine Zunahme von 165 Prozent. Bei den sozialen (meist nationalen) Verbänden und Organisationen stieg die Zahl der Kaderstellen von 52 auf 81, was einer Zunahme von 56 Prozent entspricht. Im Bereich der Pflege und Betreuung von Menschen mit Behinderung nahm die Zahl der Kaderstellen von 32 auf 46, also um 44 Prozent zu. In der Pflege und Betreuung von älteren Menschen betrug die Zunahme 25 Prozent, von 87 auf 109 Kaderstellen. Eine Zunahme von 18 Prozent verzeichnen die öffentlichen und privaten Spitex-Organisationen, von 28 auf 33 Kaderstellen. Als einziger Bereich der gemessenen Datenbasis verzeichnen die Bildungsinstitute mit sozialen Angeboten einen Minuswert von 15 Prozent, also eine Abnahme von 33 auf 28 Kaderstellen im Vergleich zum Vorjahr.

Während die allgemeinen Stellen in den Sozialressorts der öffentlichen Verwaltungen gegenüber dem Vorjahr um 9,6 Prozent gestiegen sind, verzeichnen die Kaderstellen seit dem Jahr 2019 eine Zunahme von 5 Prozent.

Im Gesundheitswesen gehören die grossen Spitäler zu den Arbeitgebern mit den meisten offenen Stellen. Insgesamt wurden 3,9 Prozent mehr allgemeine Stellen ausgeschrieben als im Vorjahr. Bei den Kaderstellen stieg die Anzahl um 67 Prozent, von 21 auf 35.

Längerfristige Perspektiven

Weiteren Studien zufolge fehlt im Sozial- und Gesundheitswesen in den nächsten zehn Jahren eine halbe Million Arbeitskräfte in der Schweiz. Unbestritten sind nebst dem Fachkräftemangel auch ein Generationenwechsel in Fach- und Führungsfunktionen mit einer markanten Fluktuationsrate auf geschäfts- und betriebsleitender Ebene. Die Branche ist deshalb gezwungen, den Fokus verstärkt auf die Personal-Entwicklung, die Verbesserung von betrieblichen Abläufen und organisatorischen Strukturen sowie die Kundenorientierung zu richten, soweit sinnvoll auf der Basis der Digitalisierung von Prozessen und damit verbunden der intensiveren Nutzung von Daten. Die Begleitung durch (externe) Spezialisten dürfte sich daher positiv auswirken.


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